Das Leben ist ein Abenteuer, dass  auf der Suche ist, von dir entdeckt zu werden

Petra Kaufmann

Wie ich es in dieser Zeit schaffe, die Freude am Leben zu behalten

Frau mit Strohhut und erhobenen Armen inmitten von Sonnenblumen, Seifenblasen schweben.
Deine Freude ist nicht verschwunden - Sie wartet nur auf Dich

Es gibt im Moment viele von uns, die funktionieren.
Die den Kopf gerade so über Wasser halten.
Die morgens aufstehen, weil man eben aufsteht.
Die durchhalten, organisieren, tragen, begleiten, zuhören.
Und manchmal – wenn es still wird – kommt dieser eine Gedanke:
War das schon alles? 

Die Freude, die uns einmal getragen hat – sie scheint leiser geworden zu sein.
Manche sagen sogar: verschwunden.
Aber ich glaube das nicht.Freude verlässt uns nicht.
Sie zieht sich nur zurück, wenn wir zu lange im Sturm stehen.
Frauen wissen, wie man bleibt.
Nach dem Krieg standen Frauen in zerbombten Städten.
  • Ohne Männer
  • Ohne Sicherheit
  • Ohne Perspektive
Und doch standen sie morgens auf. Sie haben Trümmer geräumt. Häuser aufgebaut.
Kinder großgezogen. Wirtschaft getragen.
Gemeinschaften zusammengehalten. Sie hatten nicht weniger Angst als wir.
Nicht weniger Zweifel.
Aber sie hatten etwas, das heute oft verschüttet ist:
Den Glauben daran, es zu schaffen. 
Tief verankert. "Wir geben nicht auf!"

Nicht, weil sie keine Wahl hatten.
Sondern weil sie ihren Platz im Leben angenommen haben. Ein Einbruch ist kein Scheitern. Wir erleben heute andere Kriege. Innere, Gesellschaftliche, Familiäre, Emotionale.
Manchmal bricht etwas weg:
  • eine Beziehung
  • eine Gewissheit
  • eine Kraftquelle
  • eine Vision
  • ein Stück von uns selbst
Und wir nennen es Scheitern. Aber vielleicht ist es nur ein Innehalten. Ein Zurechtrücken. Ein Nachjustieren.
Ein Sturm bedeutet nicht, dass das Schiff falsch gebaut ist.
Es bedeutet nur: Jetzt braucht es einen neuen Kurs.

In dem wunderbaren Buch Momo von Michael Ende erklärt Beppo, der Straßenkehrer, etwas sehr Kluges.

“Siehst Du, Momo”, sagte Beppo, “es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.”

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: “Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.”

Er dachte einige Zeit nach.

Dann sprach er weiter: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.”

Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: “Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.”

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: “Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt, wie und man ist nicht außer Puste.” Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: “Das ist wichtig.”

Zitat aus “Momo” von Michael Ende

Der Weg, die Aufgabe, die Verantwortung. Alles kann diese Straße sein.

Zu viel.
Zu lang.
Zu überwältigend.
Dann kommt Angst.
Und Müdigkeit.

Aber wenn man nur den nächsten Besenstrich sieht –
dann entsteht Rhythmus und allein in diesem Rhythmus des Fegens liegt Freude.
Das ist keine naive Hoffnung. Das ist Überlebenswissen.
Deine Mission ist nicht verloren.
Erinnerst du dich an die Frau, die du mit zwanzig warst?
Die wusste, was sie verändern wollte?
Die etwas beitragen wollte?
Die gespürt hat: Ich bin nicht hier, um nur zu funktionieren?
Diese Mission ist nicht verschwunden. Sie ist vielleicht leiser geworden. Überlagert von Verantwortung.
Von Müdigkeit. Von Alltag. Aber sie ist noch da.
Ein Einbruch bedeutet nicht: Du hast versagt.
Es bedeutet vielleicht: Du darfst neu ausrichten. Stärke liegt nicht im Dauerlauf
Wir haben gelernt, Stärke mit Härte zu verwechseln.
Doch die wahre Kraft von Frauen lag nie im permanenten Kämpfen.
Sie lag in der Fähigkeit, Gemeinschaft zu halten, in stiller Ausdauer, im Vertrauen, im Glauben an Morgen.

Wo hole ich mir meine verlorene Kraft zurück?
Manchmal  ganz unspektakulär –in einem stillen Moment in der Natur.
In einem guten Buch, in einem Gespräch, in einem Atemzug, der wieder tiefer geht.
Oft ist es ganz klein.  Erwarte nicht immer Großes.
Kraft ist nicht laut. Kraft ist gesammelt. Das Leben ist keine Schlacht.
Ja, Leben kann Herausforderung sein. Manchmal sogar brutal.
Aber es ist kein Kampf gegen das Leben. Es ist eine Einladung.
Eine Challenge, aber wir sind keine Opfer. Wir sind auch keine Dauerheldinnen.
Aber wir sind Kriegerinnen im besten Sinn: nicht aggressiv –sondern standhaft.
Wir geben nicht so schnell auf.
  • Nicht unsere Werte.
  • Nicht unsere Kinder.
  • Nicht unsere Träume.
  • Nicht uns selbst.
Vielleicht beginnt Freude so
Nicht mit einem großen Durchbruch.
Sondern mit:
  • einem klaren Gedanken
  • einem kleinen Schritt
  • einem aufgeräumten Tisch
  • einem Spaziergang
  • einer Seite in einem Buch
  • einem ehrlichen Gespräch
Nur der nächste Besenstrich. Und dann noch einer. Und irgendwann – fast unbemerkt –
kommt sie zurück ,die Freude.
Nicht als Feuerwerk. Sondern als Glimmen. Dieses Glimmen reicht schon aus.
Es reicht aus, um wieder aufzustehen.
Es reicht aus , um weiterzugehen.
Es reicht, um deine Mission nicht zu vergessen.
Du bist nicht hier, um unterzugehen.
Du bist hier, um zu wirken. Auf deine Weise. In deinem Tempo. Mit deiner Tiefe.
Falls du gerade nur den Kopf über Wasser hältst: Das ist kein Versagen. Das ist Überleben.
Überleben war schon immer der erste Schritt zurück zur Freude.

Wenn du jetzt bis hier gelesen hast, triff eine Entscheidung. Was ist zu viel in deinem Leben, was ist zu wenig und was braucht es gar nicht mehr. Nimm dir 5 Minuten deiner Lebenszeit und denke nach und dann fang an, das ist der erste Schritt.
Ich bin mir sicher, dass du das schaffen wirst.
Wir sind Frauen und wir können so viel, wenn wir uns selbst nicht vergessen.